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Zuviel Fernsehen ist fürs Hirn wie zuviel Brei für die Zähne. Was nicht beansprucht wird, fällt irgendwann aus.

Peter Hohl, (*1941), deutscher Journalist, Verleger und Aphoristiker

gab es heute unter Ihrer Schädeldecke ein kleines Wetterleuchten? Vielleicht ist es das unstete Wetter, das heftig drückt. Vielleicht eine schleichende Migräne, die die ersten Nervenfasern im Schädel erreicht. Vielleicht der grosse Arbeitsdruck, der spitz in den Schläfen pocht oder vielleicht ein fieses Kariesloch, das sich langsam wie ein fetter Wurm durch den Zahnschmelz frisst. Vielleicht wächst aber einfach Ihre Intelligenz. Kein Witz.

Bei allen ‚IQ-Tests’ schneiden Menschen über Jahre immer besser ab. Die umstrittene ‚IQ-Forschung’ hat neue Erkenntnisse produziert. Der britische Entdecker der DNA und Nobelpreisträger, James Watson, wurde kürzlich von der internationalen Forschungsgemeinde abgestraft, als er einmal mehr verlautbaren lies, dass Menschen aus  Afrika weniger intelligent seien. Wahrscheinlich entging ihm, dass gerade auf diesem Kontinent, die ersten Hominiden, also menschenähnlichen Wesen mit höherer Intelligenz, ausgegraben wurden. Neues kommt aus Neuseeland und heisst der ‚Flynn–Effekt’. Um was geht es?

James Flynn, Professor für politische  Philosophie an der Uni von Otago in Neuseeland, erkannte, dass ‚IQ-Tests’ nach zwei bis drei Jahrzehnten jeweils den neuen gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst werden müssten. Die Geprüften erreichten immer bessere Resultate. Die Menschen wurden gescheiter. Was war los? Er kontaktierte ‚IQ-Testexperten’ aus aller Welt, die ihm ihre Erkenntnisse und Daten für eine Metastudie zur Verfügung stellten. Die Daten aus Holland waren besonders interessant. Die Resultate entstammten von einem sogenannten ‚kulturfreien’ Test. Das heisst, die Testfragen waren rein auf kognitiv-abstrakte Fähigkeiten ausgerichtet. Die erstaunliche Datenreihe zeigte, dass die jungen getesteten Erwachsenen immer klüger wurden.

Der sogenannte ‚Flynn-Effekt’ war geboren – nämlich der ‚IQ-Gewinn’ über die Zeit. Durchschnittlich beträgt dieser 0,3 Punkte auf der ‚IQ-Skala’ pro Jahr. Die Grosseltern eines heute 18-jährigen jungen Erwachsenen mit IQ 100, hätten theoretisch mit dem gleichen Test nur 80 Punkte erreicht. Somit wären Menschen, die anfangs letzten Jahrhunderts geboren wurden, nach heutiger Wertskala geistig ziemlich unbedarft.

Der ‚Flynn-Effekt’ stellte die ‚IQ-Forschung’ auf eine harte Probe. Kompliziert wurde die Sache noch mit der bekannten Tatsache, dass Intelligenz auch genetisch beeinflusst ist. Aber das war nicht des Pudels Kern. Sicher kann eine ausgewogene Ernährung, die wachsende Vertrautheit mit solchen Tests, die sozioökonomische Verbesserung breiter Schichten oder bessere Pädagogik als zusätzliche Erklärungshilfe dienen. Das ist aber gemäss Urs Schallberger, emeritierter Professor für angewandte Psychologie an der Uni Zürich, nicht die alleinige Erklärung. In einer viel beachteten Publikation von 1991 kam er zum Schluss, dass der Schlüssel zum Verständnis in den allgemeinen Lebensbedingungen und in einer zunehmenden intellektuellen Stimulierung – er nannte das ein ‚nicht beabsichtigtes Alltagstraining’ - liegen müsse.

Gemäss den Erkenntnissen von James Flynn ist der IQ-Gewinn am stärksten in den Bereichen Logik und Abstraktion. Das Denken der Menschen war jedoch früher stark im Praktisch-Konkreten verhaftet. Was haben Hund und Kaninchen gemeinsam? Es sind Säugetiere. Menschen aus dem 18. Jahrhundert hätten klar erkannt, dass sich Hunde für die Kaninchenjagd eignen.  

Das wissenschaftliche Denken hat sich mit der Industrialisierung, der allgemeinen Schulpflicht und dem wachsenden Wohlstand über Generationen stark akzentuiert. Ein Dreikäsehoch erklärt heute den Grosseltern wie Internet funktioniert. Dafür können die Alten die Kartoffeln ohne ‚Erste-Hilfe-Kasten’ schälen und diese auch vernünftig zubereiten, damit der Kleine seine Pommes Frites essen kann.

Die Jungen sind nicht klüger als die Alten! Übrigens: Lebenskluge oder weise Menschen müssen nicht zwingend einen hohen IQ haben. Die Besessenheit mit dem IQ zeigt doch klar auf, dass wir Menschen nicht unbedingt klüger werden. Der Verstand funktioniert wie ein Muskel. James ist nicht immer James.     

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